Der Großteil, der arbeitlos gemeldeten Menschen hat als höchste Schulbildung einen Pflichtschulabschluss oder eine Lehre abgeschlossen. Bei den meisten liegt die Schulausbildung auch schon längere Zeit zurück und es wurden keine Weiterbildungen neben der Berufsausübung oder andere Ausbildungen absolviert. Weiterbildung ist daher für diese Menschen keine
Selbstverständlichkeit und wird teilweise sogar als Überforderung erlebt. Das kann verschiedene Gründe haben.

Es ist sogar so, dass (Weiter-)bildung für die wenigsten Menschen selbstverständlich ist und vielfach sogar komplett unbekannt bzw. nicht als bedeutsam angesehen wird. Diese Menschen gehören zur Gruppe der Bildungsbenachteiligten bzw. -fernen Menschen und, wenn Arbeitslosigkeit eintritt und plötzlich auch noch ein Kurs/Weiterbildung gemacht werden soll, ist das irritierend. Das kann zu Widerständen gegenüber Bildungsangeboten führen.

Dafür gibt es verschiedene Gründe und es ist wichtig, diese zu kennen und zu berücksichtigen. Ziel ist, dass bildungsferne Kunden/innen dem angebotenen Kurs/Weiterbildung/Qualifizierung
nicht von vorherein mit Ablehnung begegnen. Der Widerstand hat oft mit Hinderungsgründen zu tun, die auf negativen Erfahrungen beruhen. Diese müssen in einer Beratungssituation
herausgefunden und bearbeitet werden. Um Weiterbildungsangebote der Gruppe der Bildungsbenachteiligten bzw. –fernen so anbieten zu können, dass diese verstanden werden und auch eine effektive Teilnahme stattfindet, ist es unter anderem wichtig, sich bewusst zu machen, welche Personen der Gruppe der Bildungsfernen überhaupt angehören, welche Bedürfnisse diese Menschen aufweisen und wertschätzend auf sie einzugehen.

Auch wenn diese Gruppe heterogen ist, so lassen sich doch einige „Benachteiligungsfaktoren“ identifizieren, welche bildungsferne Personen verstärkt aufweisen.
Die Teilnahme an Weiterbildung ist stark durch
· das Alter,
· den Bildungshintergrund der Teilnehmer/innen sowie deren Eltern,
· das Qualifikationsniveau des aktuell bzw. zuletzt ausgeübten Berufes
· und durch die Erstsprache
beeinflusst.

Der Bildungshintergrund ist ein zentraler Faktor für die Teilnahme an Weiterbildung. Personen mit niedrigem formalen Bildungsabschluss nehmen, statistischen Untersuchungen zufolge, deutlich seltener an Weiterbildung teil. So nehmen Personen mit mehr Bildung auch häufiger und damit „freiwilliger“ an Weiterbildung teil. Ein niedriger Bildungshintergrund kann damit auch bedeuten, dass Bildung durchaus etwas komplett Neues sein und damit im Beratungsgespräch nicht als selbstverständlich angenommen werden kann.
Auch das Qualifikationsniveau hat Einfluss auf die Teilnahme an Weiterbildung. So nehmen Personen, die in Berufen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen beschäftigt sind, deutlich seltener an Weiterbildung teil als Personen, die in Berufen mit hohen Qualifikationsanforderungen aktiv sind. Zusätzlich beeinflusst auch der höchste formale Bildungsabschluss der Eltern die Teilnahme an Weiterbildung. Auch der Migrationshintergrund bzw. die nicht-deutsche Erstsprache haben Einfluss auf die Teilnahme an Weiterbildung. So zeigt eine Studie zu Weiterbildungsabstinenten, dass Personen mit nichtdeutscher Erstsprache viel seltener an Weiterbildung teilnehmen. Zusätzlich zu sprachlichen Problematiken kommt bei Personen mit Migrationshintergrund noch fehlendes Systemwissen hinzu, das zu einer Benachteiligung führen kann.

Die Voraussetzung ist, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, weil mit dem Bildungsthema eine „Schwachstelle“ bei bildungsfernen Personen angesprochen wird. Es besteht
also nicht nur die Herausforderung, überhaupt ins Gespräch zu kommen, sondern es muss auch eine Situation geschaffen werden, in der diese über ihre persönlichen Defizite
sprechen können, was eine große emotionale Herausforderung darstellt. Eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau einer professionellen, aber gleichzeitig authentischen
Beziehung zu Menschen aus bildungsfernen Milieus ist zusätzlich eine hohe Fehlertoleranz vor allem sich selbst gegenüber.

In diesem Zusammenhang ist es von zentraler Bedeutung, wertschätzend und auf Augenhöhe zu begegnen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass sich keine Hierarchie
aufbaut und nicht der / die eine/r dem anderen als Ratsuchenden etwas erklärt. Ziel ist ein Gespräch auf partnerschaftlicher Ebene.
Wichtig ist es, zwar professionell zu bleiben, aber keinesfalls besserwisserisch oder bevormundend zu sein.