Informationsweitergabe und Glaubenssätze. Eine Innensicht.

Beim Lesen der verschiedenen Literatur zum Thema Wissensmanagement, ist mir eingefallen, was meine Mutter in meiner Jugend oft zu mir sagte: “Manchmal ist es besser nicht alles zu wissen, denke immer daran: was du nicht weißt, macht dich nicht heiß!“.  Und als gut erzogenes Kind, habe ich gefolgt und so manches Erwachsenenthema nicht hinterfragt.

Das Kind wächst heran und die Weisheit der Mutter wird zu einem Glaubenssatz, der wohl behütet im Rucksack mitgetragen wird. Und manchmal hatte sie auch Recht, meine Mutter, wenn ich Dinge erfuhr, die ich vielleicht besser nicht hören hätte wollen.  Dennoch, liebe Mutter, ein wenig widerspreche ich dir doch. Einiges im Leben, das wohl auch nicht für meine Ohren gedacht war, hat mich stärker gemacht, zum Denken angeregt und mich veranlasst, dagegen aufzustehen und Engagement zu zeigen. Manches hat mich traurig gemacht, weil ich lernte, dass ich dagegen ohnmächtig bin. Offen bleibt, ob es wohl besser wäre, wenn ich es nicht wüsste.  Es hilft mir zum Beispiel nicht, zu wissen, wo das viele Geld der Hypo versickert ist oder, wer nun wirklich beim BUWOG Deal unrechtmäßig kassiert hat. Das nützt mir persönlich nichts, doch das Wissen, dass Hypo und BUWOG passiert sind, dieses Wissen erweitert oder beeinflusst sehr wohl mein Handeln. Zumindest bei der letzten Nationalratswahl.

Vielfach ärgert es doch, wenn man etwas weiß, oder? Ist es nicht besser möglichst wenig zu wissen und friedlich zu leben? Oder soll man am besten nur das Wissen suchen, das auch bewiesen ist, wie in den Naturwissenschaften zum Beispiel?

Aber was ist schon wahr und was ist gut und was ist schlecht?

Kann ich wirklich abschätzen, welche Informationen mein Gegenüber aufregen und welche nicht so sehr?

Ich glaube, über dieses Thema kann man ewig diskutieren.Als ich selbst Mutter wurde, habe ich die Weisheit meiner Mutter an meine Kinder nicht weitergegeben. Im Gegenteil, ich habe ihnen viel erzählt, auch viele „Erwachsenenthemen“. Interessant wäre nun deren Meinung zu diesem Thema, wie sehr sie möglicherweise durch zu viel Information belastet wurden. Ich kann sie fragen.

Meine Mutter nicht mehr, sie ist schon lange nicht mehr neben mir, ihr Glaubenssatz ist geblieben.

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Simon Praetorius